Eine „illustrierte Romankurzfassung“ enthält stark gekürzt jedoch
unverändert, den Text des Romanes oder der Erzählung,
welcher die Grundlage ist. Die Zeichnungen ergänzend den ausgewählten
Text.
Der Textausschnitt aus Der Spaziergang von Robert Walser zeigt einen zusammenhängenden Erzählstrang: den Spaziergang des Ich-Erzählers, der äußere Eindrücke mit inneren Gedanken verknüpft.
Im Zentrum steht weniger Handlung als Wahrnehmung. Der Spaziergang wird zur existenziellen Tätigkeit, die Denken und Schreiben ermöglicht. Begegnungen und Naturbeobachtungen lösen Reflexionen aus, besonders in der Szene mit dem Steuerbeamten, in der der Erzähler das Spazieren als Grundlage seines Berufs rechtfertigt.
Der Abschnitt ist typisch für Walsers Stil mit Abschweifungen und dem fließenden Übergang zwischen Außenwelt und Innerem.
Wichtig ist: Dieser Text stellt keine Gesamtzusammenfassung des Romans dar, sondern nur einen ausgewählten Erzählstrang, der exemplarisch für Themen und Erzählweise steht.
Ich teile mit, daß ich eines schönen Vormittags, ich weiß nicht mehr
genau, um wieviel Uhr, da mich die Lust, einen Spaziergang zu machen,
ankam, den Hut auf den Kopf setzte, das Schreib- oder Geisterzimmer
verließ, die Treppe hinunterlief, um auf die Straße zu
eilen.
Beifügen könnte ich, daß mir im Treppenhaus eine Frau begegnete,
die wie eine Spanierin, Peruanerin oder Kreolin aussah. Sie trug et-
welche bleiche, welke Majestät zur Schau.
Ich muß mir jedoch auf das strengste verbieten, mich auch nur zwei
Sekunden lang bei dieser Brasilianerin oder was sie sonst sein moch-
te, aufzuhalten; denn ich darf weder Raum noch Zeit verschwenden.
Die morgendliche Welt, die sich vor meinen Augen ausbreitete, erschien mir so schön, als sähe ich sie zum erstenmal. Alles was ich erblickte, machte mir den angenehmen Eindruck der Freundlichkeit,
Güte und Jugend.